Ursachen und Verlauf
Abbildung 3: Schematische Darstellung des Verlaufs einer Bipolaren Störung
Wie bei der schizophrenen Psychose geht man bei der Bipolaren Störung von verschiedenen Ursachen aus, deren Kombination und Zusammenspiel eine Erkrankung auslösen können. Grundsätzlich liegt in jedem Menschen die Anlage an einer Bipolaren Störung zu erkranken. Warum ein Einzelner erkrankt und welche Wirkmechanismen entscheidend sind, ist noch nicht abschliessend geklärt. Man geht aber davon aus, dass eine genetische Komponente vorhanden ist, da die Wahrscheinlichkeit an einer Bipolaren Störung zu erkranken für Verwandte ersten Grades um das siebenfache höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Interaktionen mit der Umwelt, wie traumatische Lebensereignisse und andere Belastungsfaktoren spielen jedoch auch eine entscheidende Rolle. Im Vulnerabilitäts-Stress-Modell geht man davon aus, dass jeder Mensch eine unterschiedliche Vulnerabilität (Empfindlichkeit) hat, an einer psychischen Störung zu erkranken. Eine erhöhte Vulnerabilität ergibt sich zusätzlich dann, wenn verschiedene Faktoren zusammentreffen, wie z.B. eine genetische Belastung, Temperamentsfaktoren, traumatische Lebensereignisse oder kritische Lebensabschnitte wie Pubertät, Schulabschluss, Verlust eines nahestehenden Menschen, Schwangerschaft usw. Treffen solche Belastungsfaktoren mit einer Vulnerabilität und nicht ausreichenden Bewältigungsressourcen zusammen, kann bei entsprechender Veranlagung eine manische oder depressive Episode entstehen.
Treten allfällige Frühsymptome auf, ist deshalb immer auch auf das Vorhandensein von anderen typischen Merkmale oder Risikofaktoren zu achten, die darauf hindeuten könnten, dass es sich um eine Bipolare Störung handeln könnte:
- Eine familiäre Belastung mit einer Bipolaren Störung
- Affektive Störungen in aufeinanderfolgenden Generationen einer Familie
- Bereits aufgetretene Depressionen in der Vergangenheit
- Durch Therapie mit Antidepressiva ausgelöste Hypomanien
- Temperamentsauffälligkeiten (starke Stimmungsschwankungen, leichte Reizbarkeit oder ständige Gedrücktheit)
- In der Kindheit oder Pubertät auftretende Depressionen mit psychotischen Merkmalen

